Agrarökologische Wertschöpfung

Worum es geht

Agrarökologische Wertschöpfung

Analyse, Leitfaden und Netzwerkaufbau für Getreide–Leguminosen–Mehl–Brot

Das Projekt „Agrarökologische Wertschöpfung“ entwickelt einen ganzheitlichen Bewertungsrahmen für agrarökologische Wertschöpfungsketten in Deutschland – mit dem Fokus auf Getreide, Leguminosen, Mehl, Brot und Backwaren.

Ziel ist es, Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken entlang aller Stufen – von der Züchtung und dem Anbau über Aufbereitung und Mühlen bis hin zu Bäckereien und den Konsumierenden – systematisch sichtbar zu machen und in einem praxisorientierten Analyse- und Leitfadeninstrument aufzubereiten. Mit den Bäckereien und Wertschöpfungsketten des Die Freien Bäcker e.V. und dem PraktikerInnen-Zusammenschluss der APA im Rücken, gehen wir die Untersuchungen als PraktikerInnen, mit PraktikerInnen und für PraktikerInnen an und gestalten diese partizipativ und schlank. Unser Ziel ist, dass wir mit Abschluss des Projektes (im September/Oktober 2026) einen brauchbaren Grundstein, für die praktische Anwendung als auch die Weiterentwicklung durch NGOs und Forschung, gelegt haben.

Ausgangslage und Zielsetzung

Ausgangspunkt ist die wachsende Diskrepanz zwischen den ökologischen, sozialen und ökonomischen Leistungen „agrarökologisch“ arbeitender Betriebe und ihrer realen wirtschaftlichen Situation, die durch Marktkonzentration, Preisdruck und Infrastrukturverluste (fehlende Lagerkapazitäten auf den Höfen, fortgesetzter Rückgang regionaler Mühlenbetriebe und handwerklichen Bäckereien) verschärft wird. Gleichzeitig fehlen bislang konkrete, öffentlich zugängliche Kriterien, die Konzepte wie die 13 international anerkannten Prinzipien der Agrarökologie entlang der einzelnen Stufen einer Wertschöpfungskette wie Getreide–Leguminosen–Mehl–Brot, für die wirtschaftlichen Gegebenheiten in Deutschland und Europa operationalisieren.

Eine Notwendigkeit für diese „Übersetzungsarbeit“ der Agrarökologie besteht insofern, dass entsprechende Modelle im globalen Süden bereits bahnbrechende Anwendung finden. Seien es die hunderttausend LandwirtInnen der APCNF in Andra Pradesh, Indien oder die Erzeugernetzwerke der AS-PTA im Nord-Osten Brasiliens. Die strukturellen Gegebenheiten, entlang mehr oder weniger allen agrarökologischen Prinzipien, unterscheiden sich in Deutschland jedoch so grundlegend, dass wir eine Betrachtung und Dokumentation der gesamten Wertschöpfungskette für notwendig halten. Denn nur wenn Risiken und Chancen adäquat dokumentiert und praktische Lösungsansätze erfasst sind, können wir in Deutschland und Europa agrarökologische Ansätze über Forschungsansätze, Diskussionsrunden oder vereinzelte investitionsstarke Modellbetrieben hinaus in der Fläche und einer Vielzahl von Wertschöpfungsketten zu sehen bekommen.

Das Projekt beantwortet die Frage, inwieweit die Transformation hin zu agrarökologischen Systemen – mit höheren Wissens- und Arbeitsanforderungen sowie veränderten Marktbedingungen – Risiken oder Chancen für die beteiligten AkteurInnen einschließlich der KonsumentInnen darstellt.

Förderung

Partner
APA Netzwerk und Weitere

Vorgehen

Geplant ist die exemplarische Analyse von mindestens sieben Wertschöpfungsketten in verschiedenen Regionen, die unterschiedliche Strukturen abbilden: Direktvermarktung, regionale bäuerlich-handwerklich geprägte Ketten, partizipative Strukturen (Erzeugergemeinschaften) sowie größere, mühlenzentrierte Ketten.

Dafür werden u.a.

  • ein Katalog konkreter agrarökologischer Praktiken je Stufe der Kette erstellt und mit Praktiker*innen reflektiert,
  • SWOT-Analysen (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) für Betriebe und Wertschöpfungsketten erarbeitet,
  • Ergebnisse in ko-kreativen Formaten diskutiert und in einem leicht anwendbaren Analyse- und Leitfadeninstrument dokumentiert.

Dieses Instrument soll sowohl von Praxisbetrieben zur Entwicklung eigener Transformationspfade als auch von Beratung und Politik genutzt werden, um Rahmenbedingungen für agrarökologische Wertschöpfungsketten gezielt weiterzuentwickeln.

Wirkung und Modellcharakter

Die Arbeit ist eingebettet in die Agrarökologische Praxis Allianz (APA), ein bundesweites Praxisnetzwerk von Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette Getreide–Leguminosen–Mehl–Brot, das von der Atelier Ernährungswende gUG initiiert wurde. Durch die enge Verzahnung von Praxis, Forschung und Zivilgesellschaft entsteht ein „lebendes Labor“, das partizipative Forschung, Wissenstransfer und agrarökologische Innovationen miteinander verbindet.

Langfristig stärkt das Projekt

  • ökologische Resilienz (Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, stabile Erträge),
  • soziale Gerechtigkeit (faire Arbeit, Partizipation),
  • regionale Ernährungssouveränität (kurze, transparente Ketten, dezentrale Infrastruktur)
  • und gesundheitliche Wirkungen durch hochwertige, naturnah und in geringer Verarbeitungstiefe hergestellter Lebensmittel.

Der erarbeitete Bewertungsrahmen und die Ergebnisse sind auf andere Regionen und Wertschöpfungsketten übertragbar und dienen als praxisbasierte Wissensbasis für Politikgestaltung und weitere Projekte des Atelier Ernährungswende und der APA.

Übersicht Projekte

GoSlowkal
Start 2021
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BBU
Start 2022
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BAKWERT
Start 2021
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Regio Resilienz
Start 2021
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